Jugendarbeit muss dort präsent sein, wo junge Menschen ihren Alltag verbringen. Genau deshalb haben wir bei JuAr Basel das Pilotprojekt «Positive Influencing» lanciert. Telebasel hat unser Team begleitet und gezeigt, wie digitale Jugendarbeit in der Praxis aussehen kann.
Die Lebenswelt endet nicht an der Tür des Jugendzentrums
Auf TikTok und Instagram entstehen Gemeinschaften, Trends und neue Formen des Austauschs. Diese Plattformen eröffnen Jugendlichen viele Möglichkeiten, sich auszudrücken und miteinander in Verbindung zu treten. Gleichzeitig begegnen ihnen dort Desinformation, Cybermobbing, problematische Rollenbilder und gefährliche Challenges – oft in einer Geschwindigkeit, mit der Erwachsene und Institutionen kaum Schritt halten können.
Für mich folgt daraus ein klarer Auftrag: Wenn sich die Lebenswelten junger Menschen verändern, muss sich auch die Offene Jugendarbeit weiterentwickeln. Wir dürfen digitale Räume weder pauschal problematisieren noch sich selbst überlassen. Junge Menschen brauchen auch dort glaubwürdige Ansprechpersonen, Orientierung und verlässliche Beziehungen.
Jugendarbeit bleibt Beziehungsarbeit – unabhängig davon, ob die Begegnung im Jugendzentrum oder auf Social Media stattfindet.
Was «Positive Influencing» konkret macht
Seit dem 1. Mai 2026 arbeitet bei JuAr Basel ein spezialisiertes Social-Media-Team. Es beobachtet aktuelle Entwicklungen, ordnet digitale Trends fachlich ein und produziert professionelle Präventionsvideos. Die Themen entstehen aus den Erfahrungen der täglichen Offenen Jugendarbeit und reichen von Medienkompetenz und konkreten Online-Risiken bis hin zu aktuellen gesellschaftlichen Entwicklungen.
Dabei geht es nicht einfach darum, möglichst viele Beiträge zu veröffentlichen. Ein zentraler Bestandteil ist das Community Management: Kommentare, Fragen und Rückmeldungen werden zeitnah beantwortet und fachlich begleitet. So wird Social Media nicht nur zu einem Kommunikationskanal, sondern zu einem zusätzlichen Ort der Beziehungsarbeit.
Digital ergänzt analog – es ersetzt es nicht
Die persönliche Begegnung in unseren Jugendzentren bleibt das Fundament unserer Arbeit. «Positive Influencing» ersetzt diese Räume nicht, sondern erweitert sie. Was uns Jugendliche vor Ort erzählen, hilft dem Social-Media-Team bei der Themenwahl. Umgekehrt können digitale Entwicklungen frühzeitig in den Teams aufgenommen und mit Jugendlichen besprochen werden.
Diese Verbindung ist entscheidend. Die freiwillige Beziehungsarbeit der Offenen Jugendarbeit schafft Vertrauen. Sie ermöglicht uns, junge Menschen ernst zu nehmen, ohne sie zu bevormunden – und sie sowohl vor Ort als auch in ihrer digitalen Lebenswelt glaubwürdig zu begleiten. Die ersten Präventionsvideos erreichten bereits mehrere tausend Aufrufe.
Ein Pilotprojekt mit Wirkung über Basel hinaus
Ermöglicht wird «Positive Influencing» durch die Unterstützung der Johann Wolfgang von Goethe-Stiftung. Eine solche Förderung schafft den notwendigen Raum, um neue Ansätze sorgfältig zu erproben und Erfahrungen für die Weiterentwicklung der Offenen Jugendarbeit zu sammeln.
Gleichzeitig ist unser Social-Media-Team mit kantonalen Fachstellen und dem Dachverband Offene Kinder- und Jugendarbeit Schweiz vernetzt. Das ist wichtig, denn digitale Trends machen nicht an Kantonsgrenzen halt. Was Jugendliche in Basel beschäftigt, taucht oft zeitgleich auch in anderen Regionen auf.
Ein Einblick in die Praxis
Der Beitrag von Telebasel macht diese Arbeit sichtbar: vom Beobachten aktueller Trends über die Entwicklung passender Inhalte bis zur Frage, wie professionelle Jugendarbeit auf Social Media Haltung zeigen kann. Ich freue mich, dass damit auch öffentlich eine Diskussion darüber entsteht, wie zeitgemässe Jugendarbeit auf gesellschaftliche und digitale Veränderungen reagieren kann.
Für mich ist entscheidend, dass wir junge Menschen nicht nur vor digitalen Risiken warnen. Wir müssen ihre Perspektiven verstehen, mit ihnen im Gespräch bleiben und digitale Räume gemeinsam verantwortungsvoll gestalten.
Telebasel · punkt6
Pilotprojekt gegen Social-Media-Gefahren
Der Fernsehbeitrag vom 16. Juli 2026 startet direkt beim Bericht über «Positive Influencing».
Fernsehbeitrag ansehenWeitere Projektinformationen: Medienmitteilung von JuAr Basel.